Reuse – Recycle – Reduce – EPD

Über den Einsatz von Recyclingmaterialien im Freiraum

Problem und Situation

Die Debatte um nachhaltiges Planen und Bauen in Architektur und Städtebau ist auch in der Landschaftsarchitektur angekommen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verknappung von Ressourcen kommt den Schlagworten Weiterverwendung (Reuse), Reduzierung (Ruduce) und Wiederverwendung (Recycle) zunehmend Bedeutung zu. Neben der Verknappung von Ressourcen im Sinne von Rohstoffen stellt auch der Aspekt des Anfalls von Bauabfällen und deren Deponierung ein zunehmendes bundesweites Flächenproblem dar.

Zwei Statistiken, die das Ausmaß des Problems klar aufzeigen

  • Die Bau- und Abbruchabfälle bildeten mit 55,4 % (230,9 Millionen Tonnen) den Großteil des Gesamtaufkommens an Abfällen.

    [Quelle: Destatis, Bundesamt für Statistik, Pressemitteilung Nr. 261 vom 4. Juni 2021]

  • 2016 waren in Deutschland noch 1108 Deponien in Betrieb, fast 900 weniger als zehn Jahre zuvor. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 erreichen weitere über 500 Deponien das Ende ihrer vorgesehenen Betriebsdauer. Auch wenn hundert Deponien baulich ertüchtigt werden, so geht die Zahl der Deponien kontinuierlich zurück

    [Quelle: Handelsblatt, Zu wenig Deponien – Deutschland weiß nicht mehr wohin mit dem Abfall, vom 01.07.2018]

Verantwortungsvolles Konsumverhalten, wie es von den Verbrauchern erwartet wird, muss sich auch im Bausektor in der Planung und Produktion von Bauteilen und Baustoffen sowie in der Betrachtung von Lebenszykluskosten widerspiegeln. Die Baustoffindustrie zeigt in ihrer Produktpalette schon zahlreiche gute Ansätze, wie Baustoffen weiter- und wiederverwendet werden. Als Landschaftsarchitekten tragen auch wir einen Teil dazu bei, Bauherren darüber zu informieren und zu sensibilisieren, im Namen der Nachhaltigkeit entsprechende Materialien im Freiraum einzusetzen.

01. Weiterverwendung von Baustoffen (Reuse)

Die Weiterverwendung von Baustoffen in der Landschaftsarchitektur bzw. im Garten- und Landschaftsbau ist im Wesentlichen abhängig von dem Ort des Planens: wie ist die Ausgangssituation auf der zu beplanenden Fläche? Welche Baustoffe können abgebaut, gesichert und wieder eingebaut werden? Können wir vielleicht künftig den Grundsatz „reuse to reduce“ umsetzen?

Denkbare Situationen sind zum Beispiel:

  • Aufnahme und Wiedereinbau ungebundener Pflasterbeläge aus Naturstein
  • Aufnahme und Wiedereinbau von Natursteinschotter

Im Hochbau gibt es erste Ansätze, Bauteile wie Fenster, Türen, Geländer, Stahlteile etc. aus abzubrechenden Gebäuden zu bergen und in einer Bauteilbörse zur Weiterverwendung anzubieten. Für den Freiraum beschränkt sich das gegenwärtig noch weitgehend auf Pflasterbeläge.

02. Reduzierung von Ressourcen (Reduce)

Der reduzierte Einsatz und die Wiederverwendung von Rohstoffen führen zwangsläufig zu einer

  • Reduzierung des Einsatzes von Tropenhölzern (auch wenn sie aus Beständen eines nachhaltigen Anbaus gemäß den Zertifizierungen nach Forest Stewardship Council – FSC – stammen) für z.B. Holzdecks, Gartenmöbel etc.
  • Reduzierung von Sand als Bestandteil von Beton und Betonprodukten und damit Reduzierung des Flächenverbrauchs für Kiesgruben
  • Reduzierung des Abfallaufkommens und damit des weiteren Flächenverbrauchs für Deponien

03. Wiederverwendung von Baustoffen (Recycle)

Der Einsatz von Recycling-Baustoffen ist unter den drei hier genannten Aspekten sicherlich der am weitesten fortgeschrittene und praktizierte Vorgang. Grundvoraussetzung für den qualitativ hochwertigen Einsatz von Recycling-Baustoffen ist die sortenreine Erfassung der Abfallfraktionen auf der Baustelle entsprechend den Anforderungen der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV), der Einsatz von Aufbereitungsverfahren nach dem Stand der Technik und die garantierte Einhaltung definierter Grenzwerte wasserwirtschaftlicher und bautechnischer Parameter. Schließlich sind beim Einbringen von Recycling-Baustoffen in den Boden (z.B. Unterbau für Wegebau, Herstellung von Vegetationsschichten) die Regelungen gemäß § 12 Bundes-Bodenschutzverordnung (BBodSchV) zu beachten. Ziel ist es schließlich, ein Produkt herzustellen, dass möglichst zu 100 % aus aufbereiteten Grundstoffen besteht und qualitativ – bautechnisch wie umweltverträglich – einem Produkt aus Primärrohstoffen gleichkommt.

EinsatzbereichRecycelter Baustoff
Straßenoberbau:ungebundene Trag- und Frostschutzschichten,
Asphalttrag-, Binder- und Deckschichten
Erdbau, Straßenunterbau:Hinterfüllungen und Überschüttungen, Baugruben-Verfüllungen Bettungen für Energie- und Fernmeldekabel sowie Leitungsrohre durch steinfreien Füllboden Lärmschutzwälle
Verkehrswegebau, Sportplatzbau und Landschaftsbau:RC-Betone für Wege-, Garten- und Landschaftsbau
(Sichtbetonelemente), Betonpflastersteine aus recyceltem Beton,
Bettungsmaterialien, Fugenfüllungen, ungebundene Tragschichten, Sportplatztragschichten
Sonstiges:RC-Blähgranulat, RC-Ziegel bei Dachbegrünungen,
Baumsubstrate nach FLL-Richtlinie, Dachgartensubstrate, Schotterrasen

RC-Schotter als Tragschicht / Frostschutzschicht

Neben den flächenhaft einbaubaren Recyclingmaterialien gibt es vielfältige Anwendungen für das Recycling von Kunststoffen und der Herstellung neuer Produkte, die zum Teil direkte Ressourcenschonung bedeuten, wenn es sich um „Holz-Ersatzprodukte“ handelt. Je nach Einsatzgebiet handelt es sich um hochwertige, glasfaserverstärkte oder naturfaserverstärkte Kunststoffprodukte, die eine absolut zuverlässige Alternative hinsichtlich Haltbarkeit, Nutzungsfreundlichkeit und Umweltverträglichkeit darstellen.

EinsatzbereichRecycelter Baustoff
Landschaftsbau:befahrbare Gitterelemente (i.V.m. Rasen/Splitt), Einfriedungen, Hangsicherungen (Palisaden), WPC-Planken für Fußwege, Terrassen und Sitzdecks, Hochbeete, Schüttgutboxen, Bänke, Spielgeräte für öffentliche und private Spielplätze, Drainrinnen, Wellenschutz an Flüssen, Poller
Brückenbau:Brückenbelag, Geländer, Treppen, Zugangswege

Palisaden als Einfassung aus RC-Kunststoff, Bohlen aus faserverstärktem Kunststoffrecycling

Spielgerät/Reckstange, Pfosten aus RC-Kunststoff (Quelle: Goldmann)

EPD – Ein Beitrag zum nachhaltigen Bauen

Neben den Aspekten der Reduzierung und/oder Wiederverwendung von Baustoffen gilt es im Sinne eines nachhaltigen Planen und Bauens, künftig Produkte auch im Hinblick auf ihre Umweltwirkungen zu betrachten.

EPD ist die englische Abkürzung für Environmental Product Declaration, deutsch Umwelt-Produktdeklaration. Mit der EPD von Produkten, seien es Baustoffe, Baukomponenten oder produzierte Güter wie Betonsteine, Kunststoffelemente, Stahlgerüste usw. werden neben den technischen Eigenschaften die gesamten Lebenszyklusaspekte eines Produktes beschrieben. Das heißt, neben der Ermittlung von Rohstoffarten und -mengen, werden deren Verarbeitung (z.B. Energieeinsatz zur Herstellung), deren voraussichtliche Haltbarkeit (Lebensdauer) sowie deren Wiederverwendungsfähigkeit (z.B. Energieeinsatz zum Recyceln) auf der Basis von Ökobilanzen dargestellt. Somit können für Bauteile bzw. -produkte aller Art auch die Lebenszykluskosten ermittelt werden.

Derart deklarierte Produkte bilden künftig eine wesentliche Grundlage für die nachhaltige Planung, den Bau und Betrieb von Gebäuden und Freiräumen. Beim Bau von Wohn- und Bürogebäuden sind Zertifizierungen nach verschiedensten Bewertungsmodellen (z.B. nach DGNB, BNB für Gebäude und BNB-AA für Außenanlagen, LEED u.a.) bewährt und inzwischen stark verbreitet (zumindest für Gebäude). Der Einsatz von Produkten mit EPD führt zu nachvollziehbaren Informationen zur ökologischen Qualität von Gebäuden und Freiräumen. Für die Freiraumplanung liegen noch nicht derartig viele Produktdeklarationen vor, als dass eine konsequente Bewertung einer Freianlage unter dem Gesichtspunkt der Lebenszyklusaspekte durchgeführt werden kann.

Die o.a. Informationen sowie weiterführende Aspekte zu EPD sind zu finden bei: Institut für Bauen und Umwelt (IBU) e.V.

Praxisbeispiel: KITA BAD BELZIG

1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
1

Rechteckpalisaden aus RC-Kunststoff

  • • Bestehen aus recyceltem Kunststoff
  • • 100% recyclingfähig
  • • ca. 65 % Gewichteinsparung durch Hohlprofil
  • • leichterer Einbau + Energieeinsparung beim Transport
  • • Äußerst langlebig

2

Spielplatz Einrichtung

z.B.: Kletterhäuser, Kletterpfad, Wippe, Schaukel

Alle Holzelemente bestehen aus nachwachsendem, widerstandsfähigem Robinienholz. Können nach Abriss zu Häckseln weiter verarbeitet oder zu Holzpellets verarbeitet werden. Alle Metallelemente bestehen auf rostfreiem Edelstahl. Dieser kann komplett recycelt oder anderweitig eingebaut werden.

3

RCT – Tragschicht + Pflaster mit RC-Anteil

  • • Einsparung von Rohstoffen bei der Pflasterherstellung
  • • Wiederverwendung und Upcycling von Betonschutt
  • • Abfallvermeidung + Resourcenschonung

4

Holzdielen-Dielen

  • • Dielen aus widerstandsfähigem Robinienholz
  • • Natürlicher, nachwachsender Rohstoff
  • • Kann nach Abriss zu Häckseln zerkleinert und als Fallschutz unter Spielgeräten eingebaut werden.

5

Spielplatz Einrichtung

z.B.: Kletterhäuser, Kletterpfad, Wippe, Schaukel

6

Spielplatz Einrichtung

z.B.: Kletterhäuser, Kletterpfad, Wippe, Schaukel

7

Wood-Plastic-Compound (WPC)-Dielen

  • • Kunststoffdielen mit ca. 90% Holzmehlanteil
  • • Upcycling-Produkt aus Abfällen der Holzindustrie
  • • Extrem widerstandsfähig

8

Stahlblech als Einfassung für Wege, Beete

  • • Stahlblech, verzinkt kann wiederverwendet
    oder recycelt werden

9

Bänke

  • • Latten aus widerstandsfähigem, langlebigem Robinienholz
  • • Kann nach Abbruch zerkleinert und zu Holzpellets oder Holzhäckseln verarbeitet werden
  • • Aluminiumgestell, rostfrei, recyclebar
  • • reperaturfreundlich durch Austausch einzelner Latten

10

Bodenbelag aus LUWADUR

  • • Wasserdurchlässiger Bodenbelag aus Edelsplitt oder Kies und einem Kunstharz-Bindemittel
  • • ist nach Abriss vollständig recycelbar

11

Polypropylen Kunststoffvlies + Stahlseilbahn

  • • Polypropylen (PP) lässt sich im Allgemeinen gut recyceln
  • • Stahlpfosten sind vollständig recycelbar

12

Spielplatz Einrichtung

z.B.: Kletterhäuser, Kletterpfad, Wippe, Schaukel

Die 3-R-Strategie

  • Reduzieren wirkt vorbeugend und ist die effektivste Methode zur Ressourcenschonung. Jede Vermeidung von Materialverbrauch senkt die Umweltbelastung von Produktion, Transport und Entsorgung.
  • Wiederverwenden (Reuse) trägt zur Verlängerung der Lebensdauer bei und minimiert den Bedarf neuer Produkte.
  • Recycling schließt den Kreislauf, spart erhebliche Primärenergie und reduziert Treibhausgasemissionen, insbesondere bei Metallen, Papier und Glas.

Vor dem Hintergrund der 3-R-Strategie dient die folgende Tabelle der Dokumentation des Kenntnisstandes über das Angebot an Betonpflastersteinen für den Garten- und Landschaftsbau, die bereits unter Berücksichtigung der CO2-Reduzierung hergestellt werden.

Die genannten Produkte und Produzenten stellen keine Bewertung und/oder Anerkennung des Produktes dar, sondern dienen lediglich der Information im Sinne der „Thematik Nachhaltig produzierte Betonwaren“, um den gegenwärtigen Stand der technischen Möglichkeiten zur CO2-reduzierten Produktion von Betonwaren (hier: überwiegend Betonpflastersteine) zu dokumentieren. Die Tabelle stellt somit eine Momentaufnahme dar. Die Baustoffindustrie ist permanent bemüht, neue Produktionsverfahren und Produkte zu entwickeln, um einen aktiven Beitrag zur Reduktion des weltweiten CO2-Ausstoßes in der Produktion von Betonwaren zu leisten.

Das Ziel: CO2-freier Beton – Carbonbeton

Als Büro AGU GOLDMANN Landschaftsarchitektur möchten wir an unsere Profession appellieren, den Einsatz von Produkten aus CO2-reduzierten Betonen oder Carbonbetonen im Planungsalltag zu verinnerlichen und bei Auftraggebern ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen.

Die Produktvielfalt soll an dieser Stelle nicht detailliert dargestellt werden. Gestalterische Elemente wie Bänke, Sitzelemente, Mauer- und Fassadenteile können mit diesem Material hergestellt werden, ohne dass ästhetische oder funktionale Kompromisse eingegangen werden müssen.

Aus planerischer Perspektive eröffnet die Verfügbarkeit eines CO2-neutralen Betons neue Handlungsspielräume. Landschaftsarchitekten können Materialwahl und Detailgestaltung gezielt zur Erreichung von Klimazielen einsetzen. Die Vielseitigkeit der Mischung erlaubt eine Anwendung in unterschiedlichen Maßstäben und Typologien, von privaten Vordächern bis zu großmaßstäblichen städtischen Projekten. Dadurch wird die Materialwahl zu einem wirksamen Instrument der Klimaanpassung im Freiraum.

Langfristige Monitoring‑ und Dokumentationskonzepte können die Glaubwürdigkeit der CO2‑Speicherung stärken und Planungsentscheidungen empirisch untermauern – zugegeben: der Planungsalltag ist gegenwärtig noch lange nicht so weit.

Die Forschung und Entwicklung an Produktionsweisen zur Reduzierung oder gar Vermeidung von CO2 während der Produktion von Betonen oder Betonprodukten vollzieht sich abseits der großen medialen Schlagzeilen.

Im März 2026 ist offiziell der Startschuss für die „C‑Factory“ erfolgt, das weltweit erste Werk für CO₂‑speichernde Carbonbetonbauteile. In Leipzig entsteht bis 2029 die weltweit erste industrielle Produktionsanlage für Carbonbeton, ein neuartiger Verbundwerkstoff, der als klimafreundliche Alternative zu herkömmlichem Stahlbeton entwickelt wurde.

Das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 14 Mio. Euro geförderte Pilotprojekt wird von der Kahnt & Tietze GmbH geleitet und basiert auf langjähriger Forschung der Technischen Universität Dresden. Weitere Projektpartner sind u.a.  TU Dresden, Institut für Massivbau, HTWK Leipzig, Forschungs- und Transferzentrum, Betonwerk Oschatz GmbH, SCHWENK Zement GmbH & Co. KG.

Die Anlage stellt die erste prototypische, vollautomatisierte Produktionslinie für Carbonbeton im Großformat dar und ermöglicht eine industrielle Skalierung der bei der HTWK Leipzig entwickelten Prozesse.

Carbonbeton kombiniert zementreduzierte Betone mit carbonfaserbasierten Bewehrungen und ermöglicht dadurch erheblich leichtere, schlankere und langlebigere Bauteile. Aufgrund des geringeren Materialeinsatzes (u. a. bis zu 80 % weniger Zement, Kies und Sand) weist der Werkstoff ein deutlich reduziertes Treibhausgasprofil auf. Angesichts der Tatsache, dass der Gebäudesektor in Deutschland rund 40 % der nationalen Treibhausgasemissionen verursacht, wird Carbonbeton als potenziell transformative Technologie für klimaneutrales Bauen bewertet.

Die Bedeutung des Projekts für die industrielle Transformation ist nicht zu unterschätzen, da Carbonbeton perspektivisch sogar als CO₂‑Senke fungieren könnte. Mit dem „Carbon Cube“ der TU Dresden wurde das weltweit erste Gebäude aus Carbonbeton fertiggestellt. Damit liegen erste wichtige technologische Grundlagen vor, die der Grundstein für eine zukunftsweisende Technologie sein können.

Neben dem „Carbon Cube“ in Dresden als Leuchtturmprojekt sind Produzenten dabei, nicht nur Betonpflastersteine CO2-reduziert oder mit recyceltem Zement herzustellen, sondern auch Ausstattungselemente für die Freianlagen im Stadtraum und in der Landschaft zu entwickeln.

Genau hier setzt die Firma BNB Beton- und Naturstein Babelsberg GmbH an und zeigt, dass Nachhaltigkeit und Gestaltung in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur ihren Platz finden. Die von der BNB GmbH entwickelten Betonfertigteile auf Basis einer CO2-neutralen Mischung mit Biokohle des Berliner Startups EcoLocked stellen einen Baustoff dar, der sowohl ökologische als auch gestalterische Anforderungen adressiert. Biokohle wird aus Nebenprodukten der Agrarindustrie, der Lebensmittelproduktion, aus Holz oder anderen pflanzlichen Reststoffen gewonnen. Pflanzen nehmen CO2 aus der Atmosphere auf und speichern es. Durch einen speziellen Veredelungsprozess wird die Kohle weiterverarbeitet und als Zusatzstoff als Pulver oder Granulat dem Beton beigemischt. Dadurch kann Beton sogar als CO2-Senke fungieren, da die gebundene Kohlenstoffmenge die bei der Herstellung freigesetzten Emissionen übersteigen kann.

In der Folge kann der Einsatz solcher Betonfertigteile zur Reduktion der Lebenszyklus-Emissionen von Bauprojekten beitragen und die ökologische Bilanz in Architektur und Landschaftsarchitektur verbessern.

Der Zwischenschritt zum CO2-freier Beton – Polymer- und Geopolymerbeton 

Geopolymerbeton bietet heute deutlich geringere CO₂‑Emissionen als Portlandzement‑Beton, gute Eignung für Fertigteile und Landschaftsbauelemente sowie wirtschaftliches Potenzial bei industrieller Skalierung; technische Hürden bleiben bei Rohstoff‑Qualität, bei Aktivatoren und beim Brandverhalten. Gegenwärtig spiegeln Ökobilanzierungen für Geopolymerbeton noch Schwierigkeiten wider, dazu zählen international anerkannte Methodiken der Ökobilanzierung, die die Materialhandhabung und Verarbeitungswege / Lieferketten umfassen sowie die Verfügbarkeit geeigneter Nebenprodukte (Flugasche, Hüttensand, calcined clays); die Anforderungen an Frost‑/Tausalz‑Beständigkeit, die Brandschutzanforderungen und die gewünschte Oberflächenästhetik.

Stand der Technik

Polymerbeton: Bindemittel sind organische Harze (Epoxid, Polyester). Einsatz vor allem für hochchemikalienbeständige, schnell herzustellende Bauteile und dekorative Elemente.

Geopolymerbeton (alkaliaktivierte Bindemittel): Mineralische Bindung aus Alumosilikat‑Rohstoffen (Flugasche, Hüttensand, gebrannte Tone) und alkalischer Aktivatorlösung; Forschung und Pilotanwendungen zeigen gute Druckfestigkeiten und reduzierte Treibhausgas‑Bilanz.

Ökologische Vorteile

  • Polymerbetone und Geopolymerbetone zeigen reduzierte CO₂‑Emissionen gegenüber CEM‑I‑Beton, je nach Rezeptur oft 20–60 % weniger
  • Die Nutzung industrieller Nebenprodukte reduziert den Deponiebedarf und Rohstoffabbau.
  • Die Herstellung ohne Kalkbrennen spart Energie; der Wasserbedarf kann je nach Produktionsform geringer sein.

Mögliche Produkte im Landschaftsbau

  • Fertigteile: Sitzbänke, Mauerelemente, Pflanztröge, Rasenkanten.
  • Oberflächenbauteile: Pflastersteine, Platten, Fassadenelemente mit hoher Gestaltungsfreiheit.
  • Spezialteile: Leichte Hohlkörper, Lärmschutz‑Elemente, wasserdurchlässige Beläge (mit angepassten Zuschlägen).
CO2 Beton Infografik

Quellen:

© Copyright - agu Goldmann Landschaftsarchitektur