Als Büro AGU GOLDMANN Landschaftsarchitektur möchten wir an unsere Profession appellieren, den Einsatz von Produkten aus CO2-reduzierten Betonen oder Carbonbetonen im Planungsalltag zu verinnerlichen und bei Auftraggebern ein entsprechendes Bewusstsein zu schaffen.
Die Produktvielfalt soll an dieser Stelle nicht detailliert dargestellt werden. Gestalterische Elemente wie Bänke, Sitzelemente, Mauer- und Fassadenteile können mit diesem Material hergestellt werden, ohne dass ästhetische oder funktionale Kompromisse eingegangen werden müssen.
Aus planerischer Perspektive eröffnet die Verfügbarkeit eines CO2-neutralen Betons neue Handlungsspielräume. Landschaftsarchitekten können Materialwahl und Detailgestaltung gezielt zur Erreichung von Klimazielen einsetzen. Die Vielseitigkeit der Mischung erlaubt eine Anwendung in unterschiedlichen Maßstäben und Typologien, von privaten Vordächern bis zu großmaßstäblichen städtischen Projekten. Dadurch wird die Materialwahl zu einem wirksamen Instrument der Klimaanpassung im Freiraum.
Langfristige Monitoring‑ und Dokumentationskonzepte können die Glaubwürdigkeit der CO2‑Speicherung stärken und Planungsentscheidungen empirisch untermauern – zugegeben: der Planungsalltag ist gegenwärtig noch lange nicht so weit.
Die Forschung und Entwicklung an Produktionsweisen zur Reduzierung oder gar Vermeidung von CO2 während der Produktion von Betonen oder Betonprodukten vollzieht sich abseits der großen medialen Schlagzeilen.
Im März 2026 ist offiziell der Startschuss für die „C‑Factory“ erfolgt, das weltweit erste Werk für CO₂‑speichernde Carbonbetonbauteile. In Leipzig entsteht bis 2029 die weltweit erste industrielle Produktionsanlage für Carbonbeton, ein neuartiger Verbundwerkstoff, der als klimafreundliche Alternative zu herkömmlichem Stahlbeton entwickelt wurde.
Das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 14 Mio. Euro geförderte Pilotprojekt wird von der Kahnt & Tietze GmbH geleitet und basiert auf langjähriger Forschung der Technischen Universität Dresden. Weitere Projektpartner sind u.a. TU Dresden, Institut für Massivbau, HTWK Leipzig, Forschungs- und Transferzentrum, Betonwerk Oschatz GmbH, SCHWENK Zement GmbH & Co. KG.
Die Anlage stellt die erste prototypische, vollautomatisierte Produktionslinie für Carbonbeton im Großformat dar und ermöglicht eine industrielle Skalierung der bei der HTWK Leipzig entwickelten Prozesse.
Carbonbeton kombiniert zementreduzierte Betone mit carbonfaserbasierten Bewehrungen und ermöglicht dadurch erheblich leichtere, schlankere und langlebigere Bauteile. Aufgrund des geringeren Materialeinsatzes (u. a. bis zu 80 % weniger Zement, Kies und Sand) weist der Werkstoff ein deutlich reduziertes Treibhausgasprofil auf. Angesichts der Tatsache, dass der Gebäudesektor in Deutschland rund 40 % der nationalen Treibhausgasemissionen verursacht, wird Carbonbeton als potenziell transformative Technologie für klimaneutrales Bauen bewertet.
Die Bedeutung des Projekts für die industrielle Transformation ist nicht zu unterschätzen, da Carbonbeton perspektivisch sogar als CO₂‑Senke fungieren könnte. Mit dem „Carbon Cube“ der TU Dresden wurde das weltweit erste Gebäude aus Carbonbeton fertiggestellt. Damit liegen erste wichtige technologische Grundlagen vor, die der Grundstein für eine zukunftsweisende Technologie sein können.
Neben dem „Carbon Cube“ in Dresden als Leuchtturmprojekt sind Produzenten dabei, nicht nur Betonpflastersteine CO2-reduziert oder mit recyceltem Zement herzustellen, sondern auch Ausstattungselemente für die Freianlagen im Stadtraum und in der Landschaft zu entwickeln.
Genau hier setzt die Firma BNB Beton- und Naturstein Babelsberg GmbH an und zeigt, dass Nachhaltigkeit und Gestaltung in der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur ihren Platz finden. Die von der BNB GmbH entwickelten Betonfertigteile auf Basis einer CO2-neutralen Mischung mit Biokohle des Berliner Startups EcoLocked stellen einen Baustoff dar, der sowohl ökologische als auch gestalterische Anforderungen adressiert. Biokohle wird aus Nebenprodukten der Agrarindustrie, der Lebensmittelproduktion, aus Holz oder anderen pflanzlichen Reststoffen gewonnen. Pflanzen nehmen CO2 aus der Atmosphere auf und speichern es. Durch einen speziellen Veredelungsprozess wird die Kohle weiterverarbeitet und als Zusatzstoff als Pulver oder Granulat dem Beton beigemischt. Dadurch kann Beton sogar als CO2-Senke fungieren, da die gebundene Kohlenstoffmenge die bei der Herstellung freigesetzten Emissionen übersteigen kann.
In der Folge kann der Einsatz solcher Betonfertigteile zur Reduktion der Lebenszyklus-Emissionen von Bauprojekten beitragen und die ökologische Bilanz in Architektur und Landschaftsarchitektur verbessern.